Nach 6 Wochen Moskau sind mir bei meiner ersten Rückkehr nach Deutschland schon ein paar Dinge aufgefallen, die anders sind…
Zuerst einmal ein paar allgemeine Fakten für die Statistiker unter uns:
München: Einwohner: 1.342.166 Fläche: 310,40 km²; 4.324 Einwohner je km²; Arbeitslosenquote: 5,8%
Moskau: Einwohner: 10.472.629 Fläche: 1.081 km²; 9.502 Einwohner je km²; Vollbeschäftigung
Die Zahlen zeigen allein schon einen eklatanten Unterschied zwischen den beiden Städten und hier kommt der Rest meiner Beobachtungen:
Tageslicht:
(Im Winter ist´s in Moskau leider nicht so lange hell und selten scheint die Sonne, das ist in München anders. Zumindest habe ich es so wahrgenommen, obwohl laut Wetter.com momentan in München die Sonne nur 1h früher auf- und 30min später untergeht als in Moskau. Ich hatte das Gefühl es war insgesamt wesentlich heller in München (vielleicht liegt das aber auch am Smog in Moskau, wer weiß)
Menschenmengen:
(Moskau hat offiziell zwar „nur“ 10 Mio. Einwohner, inoffiziell liegen die Schätzungen aber bei bis zu 20 Mio. Das heisst, es leben eine ganze Menge Leute in dieser Stadt, die bei keiner Behörde registriert sind. Wundert mich nicht, da die Bürokratie – teilweise auch Willkür – bei Behördengängen echt zum verzweifeln ist und wenn man es vermeiden kann die öffentlichen Ämter zu besuchen, dann sollte man das auch (nur ein kleiner persönlicher Vermerk am Rande). Zurück zu den Menschenmengen: egal, wo und zu welcher Uhrzeit man unterwegs ist, man sieht in Moskau immer und überall Leute. Die Metro-Rush-Hour ist natürlich das extremste Beispiel, aber auch sonst ist man hier nie allein – auch sonntags morgens um 5.30 Uhr in nem American Diner nicht, da sind jede Menge anderer Leute, die auch frühstücken. Egal zu welcher Uhrzeit ich nach Hause komme, in meiner Straße sind immer Leute. Als ich um 5 Uhr morgens am Freitag vom Flughafen zurück kam, fegte gerade eine Frau den Bürgersteig vorm Haus. Also – irgendwen trifft man immer. Das totale Gegenteil hab ich dann letzte Woche in München erlebt. Ich hab in dem Stadtteil Unterföhring gewohnt und da hatte ich echt den Eindruck da werden nach Sonnenuntergang die Bürgersteige hochgeklappt. Ich kam um ca. 17.30 Uhr am Sonntag dort an und es war nix los. Kein Mensch war auf der Straße. Aber was mir dabei positiv aufgefallen ist – die Ruhe und die saubere Luft. Ganz klar, wo weniger Menschen und Autos unterwegs sind, ist auch weniger Lärm und Luftverschmutzung.
Ich kann mich nur noch nicht so ganz entscheiden was ich besser finde – eine Stadt, die niemals schläft oder Ruhe, Entspannung und saubere Luft. Der Mix aus beidem wäre ideal!
Ladenöffnungszeiten:
Es gibt sehr viele Lebensmittelgeschäfte in Moskau, die 7 Tage rund um die Uhr geöffnet haben. Eine Tatsache, an die man sich sehr schnell gewöhnen kann und die ich mir auch schon oft zu Nutze gemacht habe, z.B. wenn ich sonntags noch schnell was zum frühstücken brauchte. Das ist sehr komfortabel und irgendwann denkt man nicht mehr drüber nach, nimmt es als gegeben hin, dass alles rund um die Uhr verfügbar ist. Die Shopping-Malls im City Center haben in der Regel auch 7 Tage die Woche von 10 Uhr – 22 Uhr geöffnet. Deshalb war ich schon sehr überrascht und auch ein bisschen enttäuscht als ich am letzten Sonntag in bester Shoppinglaune in München die Kaufinger Straße entlang ging und feststellen musste, dass alles zu hat in Deutschland. Das deutsche Ladenöffnungsgesetz (oder wie das auch immer heißt) hatte ich irgendwie verdrängt… Leider bin ich auch in den nächsten Tagen nicht dazu gekommen zu shoppen, denn das Seminar ging immer bis 19Uhr und die Läden haben ja nur bis 20 Uhr auf. Da wollte ich mal die deutsche Wirtschaft ein bisschen ankurbeln und Geld ausgeben, aber hatte aufgrund der Ladenöffnungszeiten keine Chance dazu. Echt schade...)
Taxipreise:
(die Preise für eine Taxifahrt sind in München nach meinen Schätzungen ca. 5 – 10mal so hoch wie in Moskau, sofern man in Moskau die „Privattaxen“ - also Daumen raus, Auto anhalten, Preis verhandeln und mitfahren - in Anspruch nimmt. Da entfällt schon mal die Anfahrtspauschale von 3,-EUR wie in Deutschland üblich und mit umgerechnet 100 Rubeln kommt man schon einmal quer durch die Stadt innerhalb des Gartenrings. Allerdings muss man ein paar Abstriche beim Komfort machen, denn meistens sind es die klapprigsten Ladas, die anhalten und man spürt dann jedes Schlagloch, Anschnallgurte sind Fehlanzeige, und das Tempo ist gewöhnungsbedürftig. Trotzdem ein beliebtes Transportmittel um sich besonders nachts, wenn die Metro nicht mehr fährt, in der Stadt zu bewegen.)
U-Bahn:
(die Moskauer Metro ist einfach ungeschlagen in ihrem Preis-Leistungsverhältnis. Für eine einfache Fahrt im gesamten Metronetz von Moskau zahlt man 32 Rubel, also 0,80 EUR. Es kommt während der Rush-Hour alle 30sek. eine Bahn, ansonsten alle 2min. Und man bewegt sich dabei in einer musealen Kulisse mit den ältesten und schönsten Metrostationen der Welt. Wenn man das mit der Münchener U-Bahn vergleicht, dann hat dieses System leider keine guten Karten. Es fängt schon bei den unterschiedlichen Tarifzonen und deren Preisen an. Ein Tarif-Dschungel für alle, die sich nicht regelmäßig damit befassen. Die günstigste Fahrt im engeren Stadtgebiet für einen Erwachsenen kostet 2,20 EUR und dann muss man unter Umständen auch noch 15min auf eine Bahn warten. Die U-Bahn Stationen sind dabei nicht gerade einladend. Ich würde sagen der Punkt geht definitiv an Moskau!)
Rolltreppen:
(die Rolltreppen in den Moskauer Metros sind ein Abenteuer für sich. Ich hatte anfangs mal davon berichtet: sehr steil, teilweise so lang, dass man das Ende nicht sieht, und verdammt schnell. Aus diesem Grund gibt es auch an jeder Rolltreppe, „Rolltreppenwärter“, die darauf achten, dass man die Regel „rechts stehen, links gehen“ einhält und bei Unfällen, Gefahr etc. die Rolltreppe sofort zum stehen bringen können. Außerdem können sie z.B. in der Rush-Hour je nach Menschenstrom, die Rolltreppen in verschiedene Richtungen schalten -sehr effizient und für die Menschenmassen in Moskau genau das Richtige. Trotzdem sind mir die deutschen Rolltreppen lieber. Sie sind kürzer und bei weitem nicht so schnell. Das ist mir irgendwie sicherer…)
Es gibt noch einiges mehr zu erzählen, aber das soll fürs erste mal genügen...
Sonntag, 16. Dezember 2007
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